Sylt und seine Gedichte


 

Meine Inselliebe

Ich möchte fliegen können wie eine Möwe,

und lässig gleiten gegen den Wind,

und dabei brüllen können wie ein Löwe,

damit alle erschrecken, die unter mir sind.
 

Ich möchte sein wie eine rauschende Welle,

die Sand überflutend zurückkehrt ins Meer,

und dabei selbst bestimmend des Sturmes Schnelle

der mich trägt und treibt von Ferne her.

 

Ich möchte schwimmen können wie ein Delphin

elegant springend auf hohen Wellen reiten

und dabei nichts weiter haben im Sinn

als einfach nur da sein zwischen den Zeiten.

 

Ich möchte eine weiße Wolke sein

die langsam hoch am Himmel dahinschwebt

über mir nur das All und der Sonnenschein,

der Himmel so blau und so sonnig die Welt,

hier fragt das Herz nicht nach Gut und Geld.

 

Hier trinkt man den Frieden in seliger Luft,

hier atmet so froh und frei die Brust,

und sie sagen es sei nur Wüste und Sand

der nördlichste Fleck im deutschen Land.

 

Siew haben nicht Augen noch Sinn dafür,

wie`s so wunderbar schön auf der Insel hier.

Der Schrei der Möwen und Wogengebraus

klingt wie Musik mir in das Haus.

 

Ich liebe die Insel , das weite Meer,

sie ist meine Heimat, ich liebe sie sehr!


 

Nis Randers

Krachen und Heulen und berstende Nacht,

Dunkel und Flammen in rasender Jagd-

Ein Schrei durch die Brandung!

 

Und brennt der Himmel, so sieht man`s gut:

Ein Wrack auf der Sandbank, noch wiegt es die Flut.

Gleich holt sich`s der Abgrund.

 

Nis Randers lugt – und ohne Hast

spricht er: Da hängt noch ein Mann am Mast;

wir müssen ihn holen.

 

Da fasst ihn die Mutter: Du steigst mir nicht ein!

Dich will ich behalten, du bliebst mir allein.

Ich will`s, deine Mutter!

 

Dein Vater ging unter und Momme mein Sohn;

drei Jahre verschollen ist Uwe schon;

mein Uwe, mein Uwe.
 

Nis tritt auf die Brücke. Die Mutter ihm nach!

Er weist nach dem Wrack und spricht gemach:

Und seine Mutter?

 

Nun springt er ins Boot und mit ihm noch sechs:

Hohes, hartes Friesengewächs!

Schon sausen die Ruder.

 

Boot oben, Boot unten, ein Höllentanz!

Nun muss es zerschmettern! ... nein es bleibt ganz!

Wie lange? Wie lange?
 

Mit feurigen Geiseln peitscht das Meer

die Menschenfressenden Rosse daher;

sie schnauben und schäumen.

 

Wie hechelnde Hast sie zusammen zwingt!

Eins auf den Rücken des andern springt

mit stampfenden Hufen!

 

Drei Wetter zusammen! Nun brennt die Welt !

Was da? - Ein Boot das landwärts hält-

sie sind es, sie kommen!
 

Und Auge und Ohr ins Dunkel gespannt...

Still ruft da nicht einer?

Er schreit durch die Hand!

„Sagt Mutter, s ist Uwe!“

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