Sylter Sagen Teil 2
 

Die Unteririschen in Morsum

Auch auf der Morsumheide waren viele Unterirische. Das Morsumkliff sieht an einer Stelle aus,  als ob es von verrostetem Eisen wäre. Man sieht dort eigentümlich gegliederte Röhren und Schalen. Klettert man auf den Abhang umher, so rollen die losen Stücke mit hellem Klang durcheinander wie Porzellanscherben. Das ist das „Topfgeschirr der Unterirdischen“. Hier hatten sie in alten Zeiten ihre Schmiede, in der sie die Dosen, Röhren, Töpfe und Schalen herstellten.

Nach dem Kampfe auf der Norddörfer Heide waren die Sylter die Unterirdischen losgeworden und waren froh darüber. Bloß Niß Schmied in Morsum klagte noch immer,  daß sie ihm das Bier im Keller aussöffen. Einst ertappte die Frau des Schmiedes einen der diebischen Zwerge im Keller beim Bierzapfen. Sie stellte ihn zur Rede und der Kleine versprach, einen Segen in die Biertonne zu legen;  die Tonne solle niemals leer werden, solange nicht darüber geflucht würde und sie das ihrem Manne nicht verriete.

Der Zwertg legte seinen Segen in die Tonne und die Frau schwieg. Wie früher lief der durstige Schmied jeden Augenblick aus der Schmiede in den Keller, um sich einen Schluck aus der Tonne zu holen, doch ohne daß der Biervorrat vermindert zu werden schien. Als der Schmied das Wunder entdeckte, rief er aus: Das ist doch eine Teufelstonne, die nimmer leer wird.

Sofort verschwand der Segen, die Tonne war leer und die Zwerge stahlen Brot und Bier wie früher aus dem Keller, ohne einen Ersatz dafür zu geben. Die Frau erzählte nun Niß, was sie ihm bisher verschwiegen hatte und beide beratschlagten mit den Nachbarn, wie es anzufangen wäre, um das diebische Gesindel loszuwerden. Man riet Niß, er solle die Ön`ereersken fange und totschlagen; allein diese waren klüger und flinker als er.

Zuletzt kam eine alte Frau die in ihrer Jugend oft mit den Zwergen gespielt hatte und erzählte Niß, die Unterirdischen hätten ihr einst offenbart, sie könnten nicht angehen gegen das Kreuz und all das, was dem Kreuze ähnlich oder verwandt sei.  Sie könnten nicht über, nicht durch und nicht unter dasselbe kommen; vor dem Kreuze müßten sie fliehen oder verderben. Die Frau riet deshalb dem Schmied er solle ein Wagenrad vor jede Tür seines Hauses stellen, sein Haus aber in Brand stecken, dann würden die Zwerge sämtlich mit dem Hause verbrennen.

Niß Schmied tat das. Als das Haus in Flammen stand, wollten die Zwerge fliehen. Aber sie konnten nicht fortkommen vor all den Kreuzen, welche die Wagenräder machten. Sie steckten die kleinen Hände hinaus bei den Speichen und riefen um Hilfe, jedoch die Morsumer ließen alle verbrennen.

Zuletzt gewahrten die Önèreersken in der Nähe des brennenden Hauses die alte Frau, die den Rat zu ihrem Untergange gegeben hatte. Da riefen sie vorwurfsvoll: Gespielin, Gespielin, wie hast du uns verraten!

Das war das letzte was man qauf Sylt von den Unterirdischen gehört hat. Sie verbrannten nun sämtlich und es waren jetzt die letzten ausgerottet. Man weiß übrigens noch, wo Niß Schmieds Haus in Morsum gestanden hat.

Die Puken

Die Puken schlossen lange nach dem Krieg Frieden mit den Friesen und nahmen sogar Wohnung in den Häusern der Sylter, meistens in den Scheunen und auf den Böden. Man schätzte sie als wohltätige, beschützende Hausgeister, deren Gunst man sich zu erhalten suchte, indem man ihnen allabendlich ein Gefäß mit Grütze hinstellte. Doch durfte man nicht vergessen, dem Brei ein Klümpchen Butter zuzufügen.

Nach den Erzählungen der alten Friesen waren die Puken kleine Männer mit kurzen dünnen und krummen Beinen und großen Augen. „Hi glüüret üs en pük“ - er macht große Augen wie ein Puk- sagt noch heute ein Sprichwort. Nächtliche Geräusche im Hause schrieb man den Puken zu.

War der Hausgeist zufrieden, so verrichtete er während der Nacht allerlei nützliche Arbeiten. Aber er war launisch, eitel und naschhaft und wenn er beleidigt oder unzufrieden war, gab er seinen Unmut durch hinterlistige und boshafte Streiche zu erkennen.

Einige folgten sogar ihren Herren auf die Schiffe. Solange ein solcher Schiffsgeist gut Freund mit der Mannschaft ist, geht das Schiff nicht unter und jede Fahrt gelingt. Verläßt er es, so steht es schlimm.

Alles was am Tage zerbrochen ist, zimmert er nachts wieder zurecht. Er heißt deshalb auch Klütermann. Er bereitet ausserdem manche  Arbeit für die Matrosen vor oder verrichtet sie gar für sie.

Ist er übler Laune, so macht er einen greulichen Lärm, wirft mit Brennholz, Rundhölzern und anderen Sachen umher, klopft an die Schiffswände, hindert die Arbeiter, ja gibt den Matrosen unsichtbar heftige Ohrfeigen. Von diesem Lärm meint man, heißt er der Klabautermann.lopft an die Schiffswände, hindert die Arbeiter, ja gibt den Matrosen unsichtbar heftige Ohrfeigen. Von diesem Lärm meint man, heißt er der Klabautermann.

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