Sylter
Kaleidoskop Teil 1

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Ein Friesensport mit Galgenhumor Wenn auf Sylt ein Galgen gesichtet wird, so schlägt dort nicht etwa einem Verbrecher das letzte Stündlein. Das einzige, was am sogenannten Galgen baumeln wird, ist ein winziger Messingring. Diesen aus dem Galopp mit einer Lanze aufzuspiessen, ist die Aufgabe der Ringreiter. Acht Vereine – fünf Männerclubs und drei Amazonenriegen – pflegen heute diese Tradition, die an mittelalterliche Reiterspiele erinnert. Die Ringreiterturniere sind für alle Sylt-Gäste ein wahrer Publikumsmagnet, lernen die Urlauber doch hier ein Stück echte friesische Tradition kennen. Etwa 200 Männer und Frauen sind in den acht Clubs aktiv. Der älteste datiert bereits aus dem Jahre 1861und war der erste Verein auf der Insel überhaupt. Lange Zeit war das Ringreiten eine rein männliche Domäne – erst vor zwei Jahrzehnten gab es eine Gründungswelle im Zeichen der Emanzipation. Wurden die Frauen zunächst von manchem Reitersmann argwöhnisch belächelt, so haben die Ringreiterinnen heute ihren männlichen Kameraden bewiesen, daß sie ihnen in nichts nachstehen. Edles aus alter Zeit Fast alle, die mit dem Auto nach Sylt reisen, fahren durch Risum-Lindholm und passieren auf ihrem Weg zum Autoreisezug das wohl größte Handelshaus für antike Baumaterialien in Deutschland. Bei Persch, direkt an der Bundesstraße 5 gelegen, findet der Liebhaber edler, alter Materialien alles: Delfter Fliesen, Mauerziegel und Granitsteinsockel, Limestone von Oeland bis Burgund, Terracottaböden aus ganz Europa, Holzdielen und Parkettfußböden in alt und neu sowie Hölzer in allen Breiten und Längen. Schon seit den 60er Jahren handelt die Familie Persch mit niederländischen Fliesen und seit über 20 Jahren werden in der eigenen Manefaktur über 400 verschiedene Motive hergestellt und weltweit vertrieben. Antike und handgearbeitete Kachelöfen runden das vielseitige Angebot ab. Info: www.persch.com Sylt ist Lebensfreude pur Sylter Sagen hat der Wuppertaler Künstler Günter Krings in ein besonderes Licht gesetzt: Fundstücke wie Muscheln, Holz, Knochen und Buhnensplitter fügt er zu einem Arrangement zusammen, bemalt, bemalt sie farbig und läßt auf diese Weise ein eigenwilliges Relief entstehen. Als letzter Akt folgt die Fotografie im Studio. Auf diese Weise setzte der Künstler ein Dutzend Sagengeschichten in Szene. Bei jedem Spaziergang ist er stets auf der Suche nach Urigem und Skurilem, schildert der begeisterte Inselurlauber. Dabei sammelt er Fundstücke aller Art. Steine mit aussergewöhnlichen Farben und Formen, Muscheln, Austernschalen, Keramikscherben, Blechstücke, Bruchstücke vom Morsum Kliff. Fast all diese Fundstücke finden Verwendung in seinen Bildern. Über Sylt gerät der Künstler auf seinen Ausstellungen ins Schwärmen: Das maritime Flair der Insel mit einem Logenplatz an jedem Standort und dass man sich jeden Tag so schnell entscheiden kann ob Wellen oder Watt. Einmal Sylt immer Sylt dieser Ausspruch gilt, denn Sylt ist Lebensfreude pur. Spaß am Genießen Die Zigarrenkultur hat in den letzten Jahren einen großen Aufschwung erfahren. Längst ist Opas Stumpen tot. Frau und Mann greifen zu edlen, handgerollten karibischen Spezialitäten. Im Vordergrund steht hierbei der geschmackliche Genuss an hochwertigen Tabaken bei einem Cocktail oder auch Bie in Freundeskreis. In Zeiten des Fast Food ist die braune Schönheit aus Kuba oder anderen Ländern zum Medium des guten Geschmacks geworden. All dies hält ein breit sortierter Fachhandel bereit, auf Sylt zählen dazu der Händler Tabak Voss in Westerland und die Cohibar in der Bismarck-Straße. Kochen wie bei Biolek Die Terasse des Hotels Sölring Hof, Sylts kleines Fünf-Sterne-Juwel, ist für sich genommen schon ein Highlight. Wenn dann auch noch die Sonne scheint und der Wind sich zurückhält, dann ist der Platz gnadenlos gut. Das Essen ist unübertrefflich köstlich, der Service dank der beiden Sterneköche Johannes King und Claudia Reichelt, einfach spitze. Unter den zahlreichen abwechslungsreichen Events, die der Sölring Hof seinen Hotelgästen bietet, zählt die „Küchenparty“ gewiss zu den geselligsten und lockersten. Zusammen mit Kollegen aus dem Kreis der „Jeune Restaurateurs Dèurope“ bekoch Johannes King seine Gäste in seiner Schauküche: Hier ist es wie bei Biolek – links das Weinglas in der Hand, rechts einen kleinen Teller. Hochgenuss mit Erlebnischarakter. Von der Fischbude zum Fischpalast Für die einen war es ein Szene-Treff der gehobenen Art, für andere nur ein wildes Sammelsurium von Jahrmarktbuden auf dem Lister Hafenvorfeld. In 2004 erscheint das touristische Wahrzeichen im neuen Glanz. Nach 30 Jahren Provisorium kamen Ende Oktober 2003 die Bagger und schoben das kleine Budendorf kurzerhand zusammen. Ein wenig Wehmut war schon dabei, als die zuschauenden Urlaubsgäste plötzlich einen freien Blick auf den Hafen hatten. Kein Zweifel, Fisch-König Jürgen Gosch hat mit seiner „nördlichsten Fischbude Deutschlands“ seit 1964 diesen Zipfel der Insel geprägt und auch ich war dort Jahr auf Jahr vielfach zu Gast. Von hier aus baute er sein Fischimperium bundesweit auf. Doch „Jünne“ wie er auf friesisch genannt wird, lässt sich nicht lumpen. Seine Fischbude besteht weiter in einem gläsernen Pavillon, einer Kombination aus Imbiss, Bistro und einer Neach-Bar mit herrlicher Rundumsicht. Und auch die anderen acht Anlieger präsentieren sich seit 2004 in neuem Glanz. Also auf gen List, ein Besuch lohnt sich immer noch. |